Europas Startkosten dreimal so hoch wie in den USA
Eine neue Studie, veröffentlicht in Economics Letters am 14. August 2026, zeigt, dass die Falcon-9-Rakete von SpaceX den globalen Startmarkt dramatisch verändert hat: 2024 entfielen mehr als 82 Prozent der weltweiten Nutzlastmasse auf die USA. Forscher aus Großbritannien und Italien analysierten über 6.700 Starts von 1960 bis 2025, um die Auswirkungen der Wiederverwendbarkeit und der hohen Startfrequenz der Rakete zu quantifizieren.
Die USA haben inzwischen mehr als das Doppelte der kumulierten Nutzlast Russlands seit 1990 in den Orbit gebracht – eine Wende gegenüber Mitte der 2010er Jahre, als Russland führte. Zwischen 1995 und 2012 fiel der US-Anteil an der globalen Nutzlast von fast 50 Prozent auf unter 20 Prozent, stieg aber nach dem Hochfahren der Falcon 9 in den frühen 2020er Jahren rapide an. SpaceX startet heute mehr als drei Viertel aller Massen in den Orbit, einschließlich Nutzlasten für direkte Konkurrenten wie Amazon, Northrop Grumman, AST Space Mobile und OneWeb.
Die Kostenunterschiede sind eklatant. Die Forscher schätzen die durchschnittlichen Kosten pro Kilogramm in den USA auf 3.225 Dollar, verglichen mit 5.287 Dollar in Japan, 5.809 Dollar in China, 6.682 Dollar in Russland und 9.897 Dollar in Europa. Indien liegt mit fast 15.000 Dollar pro Kilogramm am höchsten – eine Zahl, die die Autoren auf die geringe Raketengröße zurückführen, die Fixkosten auf begrenzte Nutzlast verteilt. Vor einem Jahrzehnt waren die Startkosten in den USA und Europa ähnlich; heute sind sie in Europa dreimal so hoch.
Die Studie warnt, dass Nationen, die ausschließlich auf eigene Raketen setzen, mit steigenden Kosten rechnen müssen, was Satellitenkonstellationen ausbremsen könnte. Europa sei „zwischen Hammer und Amboss“ gefangen und müsse sich zwischen kostengünstiger amerikanischer Starttechnologie und teuren, kaum skalierbaren eigenen Optionen entscheiden. Die Autoren stellen fest, dass praktisch alle neuen kommerziellen Raketen in Entwicklung Wiederverwendungskonzepte beinhalten, aber Europas Bemühungen hinken hinterher: Das Themis-Testprogramm der Europäischen Weltraumorganisation für suborbitale Hüpfer, ursprünglich für Tiefflugtests bis 2022 geplant, ist bis heute nicht über das Bodenstadium hinausgekommen.
Quellen
- Ars TechnicaSekundär
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