Buckelwal blieb bei totgeborenem Kalb – erster Nachweis

Ein Buckelwalweibchen, das vor der südlichen Gold Coast in Australien gefilmt wurde, blieb unter Wasser bei seinem totgeborenen Kalb – für die Forscher die erste ausführlich dokumentierte Beobachtung dieses Verhaltens bei der Art. Die Fallstudie von Olaf Meynecke vom Whales and Climate Research Program der Griffith University und Andrew Mulville von der Sea World Foundation erschien am 16. September 2026 in der Fachzeitschrift Discover Animals.
Die Aufnahmen entstanden im Juli 2025 vor Palm Beach an der südlichen Gold Coast. Mulville, Kapitän eines Rettungsboots der Sea World Foundation, angelte an einem freien Tag mit seinem Sohn, als er gebeten wurde, nach Walen zu sehen, die sich auffällig verhielten. Als er erkannte, dass ein Tier ein totes Kalb geboren hatte, filmte er die Szene mit einer Unterwasserkamera. ABC News, das beide Autoren interviewte, beschreibt, wie sich die Mutter dem Kalb mehrfach näherte, es mit Kopf und Flosse berührte und sich dann reglos neben den Körper legte.
Wie lange sie blieb, wird unterschiedlich berichtet. ABC News schreibt, das Weibchen und ein zweiter begleitender Wal seien mindestens zwei Stunden bei dem toten Kalb geblieben. Die Mitteilung der Griffith University und der von CBS News übernommene AFP-Bericht sprechen dagegen von "mehreren Stunden und möglicherweise sogar Tagen". In den beiden folgenden Tagen meldeten Passanten zwei erwachsene Buckelwale in derselben Gegend; ob es dieselben Tiere waren, ist nicht bestätigt.
Warum das eine Premiere ist: Laut Meynecke ist post-mortem-Zuwendung bei Zahnwalen und Delfinen gut dokumentiert – Orcas wurden dabei beobachtet, tote Kälber tagelang zu tragen –, in der Literatur zu Bartenwalen wie dem Buckelwal fehlt sie dagegen fast völlig. "Nach unserem Wissen ist dies das erste ausführlich dokumentierte Auftreten dieses Verhaltens bei dieser Art", schreiben die Autoren. Ein Detail hebt den Fall hervor: Statt das Kalb wie Zahnwale an die Oberfläche zu heben, blieb diese Mutter in der Tiefe bei ihm. Sie habe nicht versucht, es anzuheben, heißt es in der Studie – ein Hinweis darauf, dass "sie kurz nach der Geburt gewusst haben könnte, dass es tot war". Solche Ereignisse würden selten festgehalten, sagte Meynecke ABC News, weil tote Buckelwalkälber weniger Auftrieb haben und rasch absinken.
Von Trauer sprechen die Forscher nicht. In der Studie heißt es, das Verhalten "könnte eine Form trauerbezogenen Verhaltens bei Buckelwalen darstellen"; Meynecke sagte ABC News: "Wir sehen hier etwas, das zumindest auf eine starke Bindung an dieses totgeborene Kalb hindeutet." Vanessa Pirotta, Walforscherin an der Macquarie University und nicht an der Studie beteiligt, nannte es "schwierig", das Verhalten des Weibchens zu deuten, und warnte davor, es zu vermenschlichen. Mulville, der seit 25 Jahren mit Walen arbeitet, sagte: "Es war ein sehr eindringlicher Moment, aber zugleich war es wohl einfach Natur." Meynecke fordert mehr Dokumentation, auch per Drohne: Wie Wale auf den Tod reagieren, sage auch etwas darüber aus, wie sie mit Stress umgehen – etwa wenn sie sich in Fischereigerät verfangen.
Quellen
- Discover Animals (Meynecke & Mulville)Primärquelle
- Griffith UniversityPrimärquelle
- ABC News (Australia)Sekundär
- CBS News / AFPAgentur
Verwandt
Sakurais Objekt ist sechsmal heißer als vor 30 Jahren
Leopardus tilcayo: erste neue Wildkatze seit 100 Jahren
JWST-Daten zeigen drei Wetterzustände 20 Lichtjahre entfernt
Dinosaurierkot bewahrt erste bekannte Federn eines Tauchvogels
2.884 Supernovae stützen veränderliche Dunkle Energie
84 'hypersofte' Röntgenquellen in sechs Galaxien im Chandra-Archiv
Landsat-8-Bild bestätigt Lavasee am Vulkan Mount Michael
Riesiger Eisberg übersteht Kollision vor Grönland
Trending now
- Anthropic peilt Börsengang im November mit 2 Billionen an
- Google: Gemini drang im Mai-Test in drei echte Firmen ein
- Studie: Gezeiten könnten Venus' fehlenden Mond erklären
- Perth: Erster Tötungsbefehl für Hai in WA seit zehn Jahren
- NASA: Roman-Teleskop hat Treibstoff für 22 statt 10 Jahre
- CVSS 10.0 in Azure AI Foundry: Microsoft schloss die Lücke selbst
- Saudi-Pipeline wochenlang defekt, Brent über 107 Dollar
- Plugin4Shell trifft 4 KI-Coding-Agenten, 2 ohne Patch
Comments
No comments yet. Be the first.