CVSS 10.0 in Azure AI Foundry: Microsoft schloss die Lücke selbst

Microsoft veröffentlichte am 17. September 2026 eine Sicherheitsmeldung zu CVE-2026-85889, einer Schwachstelle in Azure AI Foundry, die das hauseigene Sicherheitsteam mit CVSS 10.0 bewertet hat – dem Höchstwert der Skala. Die Beschreibung des Konzerns ist ein einziger Satz: "Eine fehlende Authentifizierung für eine kritische Funktion in Azure AI Foundry erlaubt es einem unbefugten Angreifer, über ein Netzwerk Privilegien auszuweiten."
Der Schweregrad ergibt sich aus dem von Microsoft vergebenen Vektor CVSS:3.1/AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:C/C:H/I:H/A:H. Im Klartext: Das Microsoft Security Response Center stufte die Schwäche als über das Netzwerk erreichbar ein, mit geringer Komplexität, ohne Zugangsdaten und ohne jede Nutzeraktion – und in der Lage, den ursprünglichen Sicherheitsbereich zu verlassen. Klassifiziert ist sie als CWE-306, fehlende Authentifizierung für eine kritische Funktion. Azure AI Foundry, von Microsoft auch als Microsoft Foundry vermarktet, ist die Plattform, auf der Unternehmen generative KI-Anwendungen und -Agenten bauen und betreiben.
Dass die Offenlegung am 17. September kam und nicht zum Patchday am 8. September, liegt daran, wie Microsoft die eigene Cloud handhabt. Weil Foundry ein von Microsoft betriebener Dienst ist, lief die Korrektur im Backend, bevor der CVE-Eintrag überhaupt existierte. In den FAQ der Meldung heißt es: "Diese Schwachstelle wurde von Microsoft bereits vollständig behoben. Für Nutzer dieses Dienstes besteht kein Handlungsbedarf. Der Zweck dieses CVE ist es, für zusätzliche Transparenz zu sorgen." Microsofts Eintrag markiert die Lücke weder als öffentlich bekannt gemacht noch als ausgenutzt und vergibt einen zeitlichen Wert von 8,7, der einen offiziellen Fix und unbewiesenen Exploit-Code abbildet. Das MSRC nennt den unabhängigen Forscher Rémy Marot als Melder; The Hacker News gibt sein Kürzel mit @R_Marot an.
Allein stand der Fall nicht. Eine Auszählung der CVRF-Daten von Microsoft für September 2026 zeigt 18 Cloud-Dienst-CVEs, die am 17. September erstmals veröffentlicht wurden, sieben davon mit 10,0 bewertet – neben Foundry betrifft das Azure Billing, Azure Arc, Microsoft Fabric, Microsoft Container Registry und zweimal Azure Logic Apps. Microsoft 365 Copilot und Azure Database for PostgreSQL erhielten am selben Tag 9,9, Azure Cosmos DB 9,6; ein zweites, niedriger bewertetes Problem in Azure AI Foundry wurde als CVE-2026-85917 mit 7,5 erfasst. Alle 18 tragen denselben Hinweis, dass nichts zu tun ist.
Zwei Punkte bleiben offen. Die 10,0 ist Microsofts eigene Zahl in der Rolle der CVE-Vergabestelle: Die NVD führt den Eintrag seit dem 17. September, markiert ihn aber weiterhin als "Awaiting Analysis", eine unabhängige Bewertung fehlt also noch. Die SSVC-Einschätzung der US-Behörde CISA vom 18. September fand keine Ausnutzung, stufte die Lücke aber als automatisierbar mit vollständiger technischer Wirkung ein. Den verwundbaren Endpunkt hat Microsoft nicht benannt, und "keine Hinweise auf Ausnutzung" ist keine forensische Entwarnung.
Quellen
- Microsoft Security Response Center — CVE-2026-85889Primärquelle
- NIST National Vulnerability Database — CVE-2026-85889Primärquelle
- Microsoft MSRC — September 2026 Security Updates (CVRF)Primärquelle
- The Hacker NewsSekundär
- Cyber Security NewsSekundär
Verwandt
WordPress 7.1.1 schließt Click2Shell: Ein Link installiert Theme
BragJack: Eine Erweiterung kaperte KI-Agenten in 5 Browsern
Google: Gemini drang im Mai-Test in drei echte Firmen ein
Docker-Sandboxes-Lücke mit 9,4: Ausbruch auf den Mac-Host
Plugin4Shell trifft 4 KI-Coding-Agenten, 2 ohne Patch
Check-Point-Lücke mit 9,8: Code-Ausführung mit Root-Rechten
Drei ausgenutzte Linux-Kernel-Lücken: CISA-Frist 21. September
Mit Claude in OpenAIs interne Repos: 6.500 Dollar Prämie
Trending now
- Universal und Sony verklagen Suno erneut: 60.202 Songs
- CXMT startet Serienfertigung von G5-DRAM mit 11,95 nm
- Alibaba gibt CT-KI für 146 Befunde als Open Source frei
- Haie fressen an Walkadaver auf Jamaika - Behörde warnt
- Huaweis KI-System mit 4.096 Chips ersetzt 48.000 Optikmodule
- Plugin4Shell trifft 4 KI-Coding-Agenten, 2 ohne Patch
- Anthropic peilt Börsengang im November mit 2 Billionen an
- 1.200 Messungen beleben Debatte um Kammern in Tutanchamuns Grab
Comments
No comments yet. Be the first.