Leopardus tilcayo: erste neue Wildkatze seit 100 Jahren

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben eine neue Wildkatzenart formal beschrieben und benannt. Leopardus tilcayo – die Tilcayo-Tigerkatze – wiegt etwa 1,4 Kilogramm und misst rund 46 Zentimeter, womit sie zu den kleinsten bekannten Wildkatzen zählt. Al Jazeera beschreibt ihr Fell als hellbraun mit unregelmäßig geformten Rosetten über den Körper verteilt. Sie lebt in den Yungas Boliviens, dem feuchten Nebelwaldgürtel, in dem die Osthänge der Anden ins Amazonasbecken abfallen.
Die formale Beschreibung erschien in der Fachzeitschrift Current Biology; NBC News berichtete am 17. September 2026 darüber, Al Jazeera am 18. September. Erstautorin Paola Nogales-Ascarrunz, National-Geographic-Explorerin und Leiterin des Programa de Investigación de Félidos Bolivia, begegnete dem Tier zum ersten Mal als Freiwillige in der Wildtierauffangstation Senda Verde nahe La Paz. "Ich sah diese Katze. Sie war wirklich, wirklich klein, und ich konnte nicht glauben, wie klein sie war", sagte sie NBC News. Anschließend verglich das Team Erbgut von Museumsexemplaren und lebenden Tieren und stellte fest, dass sich die Tilcayo-Linie vor etwa 1,4 Millionen Jahren von anderen Tigerkatzen trennte. "Wir hatten nie erwartet, dass diese bolivianische Tigerkatze eine eigene Art ist, und niemand hatte sie je als eigenes Tier oder auch nur als Unterart vorgeschlagen", sagte Ko-Erstautor Jonas Lescroart, Evolutionsbiologe an der Universität Antwerpen in Belgien, gegenüber Al Jazeera.
Diese Lücke von 1,4 Millionen Jahren ist der Kern des Befunds. Katzen gehören zu den am intensivsten erforschten Säugetierfamilien überhaupt – über Generationen gesammelt, fotografiert und sequenziert. Genau deshalb ist eine wirklich neue Art so ungewöhnlich. Nach Angaben von Nogales-Ascarrunz hat es Vergleichbares seit einem Jahrhundert nicht gegeben. "Diesmal ist es eine Katze. Das ist wirklich neu. Und seit 100 Jahren ist das nicht passiert", sagte sie NBC News. Die Lehre reicht über ein kleines Raubtier hinaus: Wenn eine Katze in einer gut erschlossenen Ecke Boliviens bis 2026 unerkannt bleiben konnte, dürfte dasselbe für weniger auffällige Tiere in denselben Wäldern gelten – und das Argument, Nebelwald zu kartieren, bevor er gerodet wird, gewinnt an Gewicht.
Mehrere grundlegende Fragen sind offen. Die Berichte nennen weder eine Bestandsschätzung für Leopardus tilcayo noch eine Einstufung des Schutzstatus, und auch das genaue Verbreitungsgebiet ist ungeklärt – ob die Art auf die bolivianischen Yungas beschränkt ist oder bis in Nachbarländer reicht. Für Antworten braucht es Felduntersuchungen und Kamerafallen in der Region sowie die formale Anerkennung des Artnamens durch die Gremien, die die Säugetier-Taxonomie führen.
Quellen
- NBC NewsSekundär
- Al JazeeraSekundär
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