Wissenschaft

84 'hypersofte' Röntgenquellen in sechs Galaxien im Chandra-Archiv

Veröffentlicht am 2 min readVon NewUJ Editorial Desk

Aktualisiert am sachliche Fehler korrigiert

84 'hypersofte' Röntgenquellen in sechs Galaxien im Chandra-Archiv
Foto: X-ray: NASA/CXC/Univ. of Alabama/M. Muhibullah et al.; Optical: NASA/ESA/STScI; Image Processing: NASA/CXC/SAO/N. Wolk
0 0
XWhatsAppTelegramLinkedIn

NASAs Chandra-Röntgenobservatorium hat 84 kosmische Objekte zutage gefördert, die in keine bestehende Kategorie passen. Sie stammen nicht aus einer neuen Beobachtungskampagne, sondern aus dem öffentlichen Datenarchiv des Teleskops. Jede Quelle verbindet zwei Signale: Röntgenstrahlung bei den allerniedrigsten Energien, die Chandra erfassen kann, zusammen mit intensivem ultraviolettem Licht. Die Autoren nennen sie "hypersofte Röntgenquellen". Geleitet wurde die Studie von Mustafa Muhibullah von der University of Alabama, mit den Koautoren Jimmy Irwin, ebenfalls University of Alabama, und Rosanne Di Stefano vom Center for Astrophysics | Harvard & Smithsonian. Laut NASA erschien sie am 9. September 2026 in Nature Astronomy.

Die 84 Quellen liegen in sechs Galaxien, die mit Chandra-Archivdaten untersucht wurden: der Andromedagalaxie (M31) und der Feuerradgalaxie (M101), beide Spiralgalaxien, sowie vier elliptischen Galaxien. In einem Blogbeitrag zu der Arbeit schrieb das Chandra X-ray Center, die Quellen strahlten bei den niedrigsten Röntgenenergien von etwa 0,15 bis 0,3 Kiloelektronenvolt und zeigten zwischen 0,3 und 1,0 keV kaum noch Emission. Diese schmale, energiearme Signatur ist der Grund, weshalb Durchmusterungen, die auf härtere Röntgenstrahlung ausgelegt sind, die Objekte übersehen hatten. "Wir sind noch nie auf eine Gruppe von Objekten gestoßen, die sich so verhält", sagte Muhibullah.

Warum das Ganze am 9. September 2026 aufkam: Kein Teleskop wurde neu ausgerichtet. Die NASA veröffentlichte ihre Mitteilung an dem Tag, an dem die Arbeit nach ihren Angaben erschien, und stellt die Gruppe als neue Objektklasse vor. Die Population trat erst zutage, als das Team das Archiv gezielt nach Emission durchsuchte, die am weichen Ende von Chandras Bereich einbricht.

Die Forscher verknüpfen die Quellen mit zwei offenen Fragen. Die erste ist, welche Sternsysteme einer Typ-Ia-Supernova vorausgehen, jenen Explosionen, die Astronomen als "Standardkerzen" zur Messung kosmischer Entfernungen und der Expansionsrate des Universums nutzen. Das Chandra X-ray Center schreibt, hypersofte Quellen könnten eine wichtige, bislang übersehene Phase in der Entwicklung mancher Typ-Ia-Vorläufer darstellen. Die zweite ist, was dem Gas zwischen den Sternen innerhalb von Galaxien die Elektronen entreißt. Die NASA begründet das Interesse damit, dass dieser Prozess beeinflussen kann, wie schnell Sterne entstehen, und die Lebenszyklen von Galaxien prägt. "Diese verborgenen Röntgenquellen gehören tatsächlich zu den energiereichsten Objekten in Galaxien, und sie könnten gleich zwei kosmische Rätsel auf einmal lösen", sagte Muhibullah.

Offen bleibt, was diese Objekte physikalisch sind. Laut NASA ist die wahrscheinlichste Erklärung ein kompaktes Objekt, also ein Schwarzes Loch, ein Neutronenstern oder ein Weißer Zwerg, das Materie von einem Begleitstern abzieht. Welches der drei es ist und in welcher Konstellation, ist ungeklärt. "Der nächste Schritt war natürlich, herauszufinden, was diese Dinger sind", sagte Muhibullah. Vorerst bleibt es bei 84 Quellen in sechs Galaxien: eine Klasse mit Namen und Spektrum, aber ohne bestätigte Physik.

Quellen

Report / request removal

Verwandt

Comments

No comments yet. Be the first.