Landsat-8-Bild bestätigt Lavasee am Vulkan Mount Michael

Ein ungewöhnlich klarer Satellitendurchgang über dem subantarktischen Südatlantik liefert neue Belege für einen Befund, den Forschende vor Ort kaum erheben können: Der Mount Michael, der Schichtvulkan im Zentrum der Insel Saunders, trägt in seinem Gipfelkrater einen dauerhaften Lavasee.
Der Operational Land Imager an Bord des NASA-USGS-Satelliten Landsat 8 nahm das Bild am 24. August 2026 auf, als sich die Wolkendecke des Antarktiswinters kurz lichtete. Das Earth Observatory der NASA, das die Aufnahme am 7. September 2026 als Bild des Tages veröffentlichte, legte über die Echtfarbenszene ein Infrarotsignal aus den OLI-Bändern 7-6-5, dargestellt in Rot, das die Hitze des Lavasees sichtbar macht. Eine kleine Rauchfahne über dem Gipfel und dunkler gefärbter Schnee an den Nordhängen deuten laut Earth Observatory ebenfalls auf anhaltende Aktivität hin.
Der Lavasee selbst ist keine neue Entdeckung. Das Landsat-Programm der NASA führt seine Identifizierung auf eine Studie von 2019 im Journal of Volcanology and Geothermal Research zurück, geleitet von Danielle Gray vom University College London gemeinsam mit Alex Burton-Johnson vom British Antarctic Survey. Damit wurde der Mount Michael zum weltweit achten Vulkan, bei dem ein dauerhafter Lavasee bestätigt ist. Die beiden NASA-Seiten nennen unterschiedliche Datenzeiträume: Das Earth Observatory verweist auf eine Analyse thermischer Anomalien in Landsat-, Sentinel- und ASTER-Beobachtungen über 30 Jahre, während die Landsat-Programmseite angibt, das Team von 2019 habe Bildmaterial der Jahre 2003 bis 2018 ausgewertet.
Warum das zählt: Nur eine Handvoll Vulkane auf der Erde gilt als Träger eines solchen Merkmals. Das Earth Observatory der NASA nennt den Kīlauea auf Hawaii, den Nyamulagira in der Demokratischen Republik Kongo und den Erta Ale in Äthiopien. Saunders gehört zu den Südlichen Sandwichinseln, einer rund 350 Kilometer (220 Meilen) langen Kette kleiner Vulkangipfel, die dort entstand, wo die Südamerikanische Platte unter die winzige Südsandwich-Platte abtaucht. Weil die Inseln so abgelegen und so häufig bewölkt sind, sind Forschende auf Satelliten statt auf Messgeräte am Boden angewiesen — deshalb ist eine einzige klare Aufnahme überhaupt eine Meldung wert.
Offen bleibt, wie kräftig der See derzeit ist. Thermaldaten der Instrumente MODIS und VIIRS, bereitgestellt über das Nahezu-Echtzeitsystem MIROVA zur Hotspot-Erkennung, weisen laut Earth Observatory seit mehreren Jahren nur auf Aktivität geringer Intensität hin; der NASA-Satellit Aura zeigt zudem, dass Emissionen von Schwefeldioxid und anderen Gasen an dem Vulkan häufig sind. Als Landsat 9 am 1. September 2026 überflog, waren die Wolken zurück: Der 843 Meter (2.766 Fuß) hohe Gipfel lenkte den Wind so ab, dass sich im Windschatten eine Reihe V-förmiger Wellenwolken bildete, und Falschfarbenbilder des NASA-Satelliten Aqua zeigten eine Spur, die wahrscheinlich auf vulkanisches Schwefeldioxid zurückgeht. Weitere klare Überflüge bleiben die einzige realistische Möglichkeit, den Vulkan im Blick zu behalten.
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