80 Mio. Jahre altes Schlangenhirn zeigt frühe Lebensraumwechsel
Eine fossile Schlangenart, die vor 80 Millionen Jahren lebte, hat gezeigt, dass frühe Schlangen mehrere Lebensräume und sensorische Strategien ausprobierten – nicht einen einzigen evolutionären Pfad. Die am 5. August 2026 in Nature veröffentlichte Studie untersuchte den außergewöhnlich gut erhaltenen Schädel und das Gehirn von Tametara mirim aus Brasilien, das an eine grabende Lebensweise angepasst war, während eine andere fossile Schlange, Dinilysia patagonica, für das Leben am Boden geeignet war. Die Ergebnisse stellen die langjährige Debatte in Frage, ob Schlangen ihre langgestreckten, beinlosen Körper unter der Erde oder im Wasser entwickelten. Stattdessen deutet die Studie darauf hin, dass verschiedene Schlangenlinien viel früher als bisher angenommen unabhängig voneinander zwischen grabenden, terrestrischen und marinen Umgebungen wechselten. Das internationale Team unter der Leitung von Tiago Simões von der Princeton University, mit den leitenden Autoren Nicolas Di-Poï von der Universität Helsinki und Annie Hsiou von der Universität São Paulo, nutzte Computertomographie und 3D-Rendering, um das Gehirn und das Innenohr von Tametara mirim zu rekonstruieren. Die digitale Rekonstruktion, geleitet von Postdoktorand Simone Macrì und Forschungsdirektor Nicolas Di-Poï am HiLIFE Helsinki Institute of Life Science der Universität Helsinki, zeigte, dass Tametara und Dinilysia auffallend unterschiedliche Gehirnformen hatten, was auf unterschiedliche sensorische Anpassungen hinweist. Laut den Forschern deuteten die Gehirnform und die Knochenmikrostruktur von Tametara auf eine grabende Lebensweise hin, während Dinilysia an das Leben an Land angepasst war. Zusammen mit Belegen aus marinen Sedimenten zeigen die Ergebnisse mehrere Wechsel zwischen grabenden, terrestrischen und marinen Lebensweisen in der frühen Schlangenevolution. Die Studie betont, dass frühe Schlangen nicht einfach auf einen modernen Zustand zusteuerten, sondern mit verschiedenen sensorischen und ökologischen Strategien experimentierten. Das Fossil, entdeckt in spätkreidezeitlichen Ablagerungen im Südosten Brasiliens, ist eines der vollständigsten je gefundenen Schlangenskelette. Die Forschung verbindet die Neuroanatomie früher Schlangen mit ihren sensorischen Fähigkeiten, Lebensräumen und ihrer Evolutionsgeschichte und zeigt, dass frühe Schlangen bereits in der späten Kreidezeit eine bemerkenswerte ökologische und morphologische Vielfalt erreicht hatten.
Quellen
- ScienceDailySekundär
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