Neues Darmbakterium senkte Bauchfett bei fetten Mäusen

Viszerales Fett, das sich um die inneren Organe legt, gilt als das gefährlichste Körperfett und wird laut der Duke University School of Medicine mit Diabetes und Herzkrankheiten in Verbindung gebracht. Genau dieses Fett ging bei fettleibigen Mäusen zurück, nachdem sie ein Zuckermolekül eines neu beschriebenen Darmbakteriums erhalten hatten. Die Arbeit erschien am 23. September 2026 im Fachjournal Cell Host & Microbe; Duke stellte sie einen Tag später öffentlich vor.
Das Bakterium trägt den Namen Clostridium immunis und ist nach Angaben der Forschenden ein bislang unbekanntes Mitglied der gesunden menschlichen Darmflora. Es gibt ein Exopolysaccharid ab, einen komplexen Zucker, der eine chemische Markierung namens Phosphocholin trägt.
Um deren Rolle zu prüfen, stellte das Team gentechnisch veränderte Varianten von C. immunis her, die das Phosphocholin nicht mehr bilden konnten. Ohne die Markierung verschwand der Schutz vor Stoffwechselerkrankungen. Daraus schlossen die Forschenden, dass sie der entscheidende Teil des Moleküls ist.
Bemerkenswert ist, wie die Mäuse abnahmen: Sie fraßen nicht weniger und verloren keine Muskelmasse. Stattdessen stieg ihre Stoffwechselaktivität, am deutlichsten im viszeralen Fettgewebe selbst. Das unterscheidet den Ansatz von den GLP-1-Medikamenten, die vor allem über eine verringerte Nahrungsaufnahme wirken.
"GLP-1-Medikamente haben die Behandlung von Fettleibigkeit und ihren Begleiterkrankungen verändert, aber sie wirken nicht bei allen und verursachen oft erhebliche Nebenwirkungen", sagte Neeraj Surana, der die Arbeit leitete. Bakterium und Zucker könnten "als Ergänzung oder als Alternative zu GLP-1-Medikamenten" dienen. Das Team fand zudem einen immunologischen Weg: Das Molekül senkte den Spiegel des Signalproteins IL-22 im Dünndarm und im viszeralen Fett, danach stieg dort die Stoffwechselaktivität.
Ob sich das auf Menschen übertragen lässt, ist offen. In Mikrobiomdaten von Tausenden Menschen fanden sich die Gene für die Phosphocholin-Herstellung seltener bei Personen mit Fettleibigkeit oder hohen Triglyceridwerten -- ein Zusammenhang, kein Beleg für eine Wirkung im Menschen. Duke betont, die Ergebnisse zeigten noch nicht, dass Bakterium oder Zucker Fettleibigkeit beim Menschen behandeln können; die Gruppe sucht Geld für klinische Studien.
Neu ist die Idee nicht: Dieselbe Gruppe hinterlegte ihre erste Beschreibung des Phosphocholin-Mechanismus am 12. Juni 2024 als Preprint bei bioRxiv, rund 27 Monate vor der begutachteten Veröffentlichung.
Quellen
- Duke University School of MedicinePrimärquelle
- Cell Host & MicrobePrimärquelle
- bioRxiv preprint (Tan et al.)Primärquelle
- Europe PMC recordSekundär
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