Erwachsenes Gehirn repariert sich selbst – durch wandernde Zellkerne
Das erwachsene Gehirn kann sich nach Verletzungen oder bestimmten Autoimmunerkrankungen selbst reparieren, weil Stützzellen neu gebildete Zellkerne in geschädigte Bereiche schicken. Das zeigt eine Mausstudie der Universität Zürich, die am 12. August 2026 veröffentlicht wurde.
Dieses Ergebnis stellt die lange vertretene Annahme in Frage, dass das erwachsene Gehirn zerstörte Astrozyten nicht vollständig ersetzen kann. Astrozyten sind sternförmige Gliazellen, die Neuronen ernähren, den Blutfluss regulieren und die Gesundheit des Hirngewebes erhalten.
Astrozyten gehen bei Hirnverletzungen und Autoimmunerkrankungen wie der Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung verloren, bei der Antikörper diese Zellen angreifen.
Die Co-Erstautoren Marina Herwerth und Matthias Wyss, die unter der Leitung von Bruno Weber am Institut für Pharmakologie und Toxikologie arbeiteten, identifizierten in lebenden Mäusen eine Population regenerativer Astrozyten. Diese Zellen sammeln sich um geschädigte Regionen und bauen das verlorene Astrozytennetzwerk wieder auf.
Mithilfe der Zwei-Photonen-Mikroskopie beobachtete das Team das Gehirn von Mäusen über mehrere Wochen in Echtzeit und verfolgte die Genaktivität in verschiedenen Regionen. Die regenerativen Astrozyten teilen sich, und die Kerne ihrer Tochterzellen gleiten über weite Strecken durch Zellfortsätze, um verletztes Gewebe neu zu besiedeln.
Bruno Weber erklärte, die Ergebnisse offenbarten eine bisher unbekannte Selbstheilungsfähigkeit des erwachsenen Gehirns und wiesen auf neue Wege hin, die Erholung von Erkrankungen mit Astrozytenverlust zu unterstützen.
Die Forscher identifizierten außerdem viele Gene und Signalwege, die während der Reparatur vorübergehend aktiviert werden. Wenn diese Mechanismen gezielt aktiviert würden, könnten sie helfen, geschädigtes Hirngewebe wiederherzustellen und die Erholung von bestimmten Hirnerkrankungen zu verbessern.
Quellen
- ScienceDailySekundär
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