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Claude entdeckt CRISPR-ähnliches Enzymsystem in 21 Stunden

Veröffentlicht am 2 min readVon NewUJ Editorial Desk

Aktualisiert am neue Informationen ergänzt

Claude entdeckt CRISPR-ähnliches Enzymsystem in 21 Stunden
Foto: Anthropic
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Anthropic hat am 23. September 2026 nicht nur einen Fund veröffentlicht, sondern auch dessen Grenzen: Das Unternehmen ließ dieselbe Suchkampagne zehn weitere Male laufen, und laut seinem technischen Bericht wurde das entscheidende Muster in jedem einzelnen Wiederholungslauf übersehen.

Gefunden hatte es das Modell Claude zuvor in der DNA von Bakteriophagen, also von Viren, die Bakterien befallen: ein bislang uncharakterisiertes Enzymsystem, das Anthropic "array-assoziierte Reverse Transkriptasen" (ART) nennt. Es besteht aus drei Teilen: einer reversen Transkriptase, die RNA in DNA umschreibt, einem benachbarten Partnergen unbekannter Funktion und einer langen Reihe gleichmäßig verteilter DNA-Wiederholungen. Diese Anordnung erinnert an ein CRISPR-Array. Die reverse Transkriptase selbst war in einem Jumbo-Phagen bereits beschrieben; neu ist laut Anthropic, dass Claude als Erster das Array und das Zusatzprotein zusammen bemerkte.

Die Suche dauerte 21 Stunden. Rund 950 Agenten verbrauchten dabei etwa 210 Millionen Token und durchkämmten eine Datenbank mit 1,9 Milliarden metagenomischen Proteinclustern. Auf jeden Agenten entfielen damit im Schnitt gut 220.000 Token. Die Agenten sammelten mehr als 200.000 reverse Transkriptasen, filterten 3.500 Kandidatensysteme heraus und verdichteten sie auf die 20 auffälligsten, die als Bericht zur menschlichen Prüfung gingen.

Zur Reproduzierbarkeit nennt der Bericht zwei Zahlen. Lagen die Sequenzen direkt im Kontext, beschrieben die leistungsfähigsten Modelle das Array in mindestens 90% der Versuche. Mussten sie sich über Dateien und Werkzeuge vorarbeiten, sank die Quote auf bis zu 32% (Opus 5, höchste Stufe). Anthropic führt das darauf zurück, dass 39% der dateibasierten Versuche nie 200 zusammenhängende Nukleotide lasen und damit nie mehr als etwa eine einzige Wiederholungseinheit sahen.

Was ART tut, ist offen. Erste Experimente zeigen laut Anthropic, dass das Array in eine Reihe unterschiedlicher kurzer RNAs umgeschrieben wird; die Arbeit an der Hauptfunktion laufe weiter. Feng Zhang vom MIT und Broad Institute, einer der Pioniere der CRISPR-Genomeditierung, nannte den Fund auf Anthropics Seite "ein spannendes Beispiel dafür, wie KI-Agenten zu biologischen Entdeckungen beitragen können". Der Stanford-Bioingenieur Stanley Qi sagte Al Jazeera, das Ergebnis sei "unglaublich aufregend". Kevin Blake, Mikrobiologe an der Washington University School of Medicine, widersprach demselben Sender: "Nichts deutet darauf hin, dass dies ein Rivale von CRISPR als Technologie ist oder zu irgendeiner therapeutischen oder praktischen Anwendung entwickelt werden könnte."

Anthropic-Chef Dario Amodei schrieb laut Al Jazeera auf X, das Unternehmen vermute, die molekulare Maschine könne "einen neuen Gen-Editierungsmechanismus darstellen". Das ist eine Vermutung, kein Befund: Anthropics eigener Text hält fest, dass die Funktion nicht bestimmt ist. Überprüfbar werden als Nächstes die laufenden Laborexperimente und die Frage, ob externe Gruppen die Analyse aus dem Preprint nachvollziehen können.

Transparenzhinweis: Die Redaktion von NewUJ nutzt die Claude-Modelle von Anthropic.

Quellen

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