Münzgroßes Gerät hackt Autopilot einer Boeing 737 in 60 Sekunden
Am 13. August 2026 werden Forscher der University of California, San Diego und des Oberlin College auf der Usenix Cybersecurity Conference eine Hacking-Technik vorstellen, mit der sich der Autopilot einer Boeing 737 mit einem münzgroßen, WLAN-fähigen Gerät übernehmen lässt.
Das Gerät, das für weniger als 100 Dollar gebaut wurde, kann in weniger als einer Minute über einen von außen zugänglichen Anschluss am Flugzeug installiert werden. Einmal angeschlossen, sendet es elektrische Signale im internen Netzwerk des Flugzeugs, um Befehle an den Flight Management Computer und die Multipurpose Control Display Unit zu fälschen.
Dadurch kann ein Angreifer die Navigation des Autopiloten umleiten oder Variablen wie Gewicht und Außenlufttemperatur verfälschen, während die Änderungen auf dem Bildschirm des Piloten verborgen bleiben. Solche falschen Daten könnten beim Start zu einem Überlauf der Landebahn führen oder einen Flug in den Luftraum eines anderen Landes umleiten, was möglicherweise zu einem Absturz führt.
Die Forschung, geleitet von den UCSD-Professoren Stefan Savage und Aaron Schulman, begann vor über einem Jahrzehnt. Das Team kaufte gebrauchte 737-Komponenten im Wert von Zehntausenden Dollar, um einen Avionik-Teststand namens Triton aufzubauen, der bis 2019 fertiggestellt wurde. Der Student Sam Crowe entdeckte später einen speziellen Anschluss – nur durch eine unverschlossene Klappe geschützt –, der mit einem kritischen Datenbus verbunden ist. Durch das Senden von elektrischen Signalen mit höherem Strom konnte Crowe legitime Befehle überschreiben, eine Technik, die als „Bus Driver“ bezeichnet wird.
Boeing wurde erstmals im Frühjahr 2020 alarmiert und arbeitete mit den Forschern zusammen, sogar mit Tests im eigenen Labor. Boeings Stellungnahme gegenüber WIRED spielte das Risiko jedoch herunter: Die Schutzschichten des Unternehmens würden „eine ausreichende Abschwächung bieten, um die Machbarkeit und das Risiko realer Angriffe erheblich zu begrenzen“. Die Forscher sagen, Boeing habe keine technische Lösung offengelegt, und sie vermuten, dass Updates aufgrund seltener Flugzeugneukonstruktionen Jahre auf sich warten lassen könnten.
Die Forscher schlagen sofortige Maßnahmen vor, wie das Verschließen des Anschlusses mit Epoxidharz oder dessen Entfernung, sowie langfristige Lösungen wie Software-Abwehr, elektrische Isolierung oder kryptografische Authentifizierung. Sie betonen, dass sie weiterhin in 737ern fliegen werden und fordern keine Flugzeugstilllegungen, sondern verbesserte operative Sicherheit.
Der Cybersicherheitsberater Beau Woods, der die Arbeit begutachtet hat und als Berater der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency sowie als Mitglied des Industry Cyber Technical Council von Boeing fungiert, sagte, das Papier biete „solide empirische Belege für einige realistische Szenarien mit hochqualifizierten Gegnern“. Woods fügte hinzu, dass Bedrohungsmodelle sich mit fortschreitender Technologie weiterentwickeln müssten.
Quellen
- WiredSekundär
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