Schlingernder Van, 66.860 Silbermünzen: drei Urteile

Norwegens Wirtschaftskriminalitätsbehörde Okokrim teilte am 17. September 2026 mit, dass drei norwegische Staatsbürger wegen schwerer Geldwäsche verurteilt worden sind. Es ist das erste Urteil in einem Fall, der mit dem Hinweis auf einen auffällig fahrenden Transporter begann. Als Beamte im April 2025 auf der Autobahn E18 in Bærum westlich von Oslo ausrückten und das Fahrzeug stoppten, war es voller amerikanischer "American Eagle"-Silbermünzen. Ein zweiter Transporter, der vor Ort kontrolliert wurde, war ebenfalls damit beladen. Okokrim beziffert die Gesamtzahl auf 66.860 Münzen mit einem heutigen Wert von mindestens 25 Millionen norwegischen Kronen - mehr als 2 Millionen Euro, nach Umrechnung der Nachrichtenagentur AP rund 2,65 Millionen US-Dollar.
Laut der Mitteilung von Okokrim verhängte das Bezirksgericht gegen einen Mann, der das Vorgehen organisiert und die Münzen gelagert haben soll, 2 Jahre und 6 Monate Haft. Eine Frau erhielt 6 Monate wegen fahrlässiger schwerer Geldwäsche durch Lagerung der Münzen, ein zweiter Mann 10 Monate auf Bewährung wegen desselben Vorwurfs. Zwei britische Staatsbürger, die wegen des Transports der Münzen angeklagt waren, wurden freigesprochen. Die Verfahren gegen fünf weitere Beschuldigte wurden eingestellt. Namen der Angeklagten nannte Okokrim nicht.
Ungewöhnlich an dem Fund ist die Herkunft des Silbers. Nach Angaben von Okokrim stammen die Münzen aus einem groß angelegten Anlagebetrug in den Vereinigten Staaten; die Behörde unterstützt die amerikanischen Ermittlungen seit 2018. Bei einer Durchsuchung an einer Adresse in Jongskollen in Bærum stellte sie 2019 bereits 79.500 amerikanische Silbermünzen sicher, damals rund 17 Millionen Kronen wert. Nicht alle gesuchten Münzen tauchten damals auf. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Rest einige Jahre später an Adressen im Osten und Süden Norwegens gebracht wurde und bis zur Verkehrskontrolle verschwunden blieb.
"Ich bin außerordentlich froh, dass das Silber sichergestellt und die Verantwortlichen verurteilt wurden, sodass die Vermögenswerte an die geschädigten Anleger in den USA zurückgegeben werden können", sagte Oberstaatsanwalt Jon André Hvoslef-Eide, der den Fall vor Gericht vertrat. Gegenüber AP erklärte er, die Geschädigten - deren Namen er nicht nannte - könnten ihr Vermögen erst nach Abschluss des Verfahrens zurückerhalten. AP weist zudem darauf hin, dass der Fund durch den kräftigen Anstieg der Silberpreise im vergangenen Jahr heute mehr wert ist als zum Zeitpunkt seines Verschwindens.
Rechtskräftig ist das Urteil nicht. Okokrim will die Rechtsmittelfrist nutzen, um über eine Berufung gegen die Freisprüche zu entscheiden; auch die Verurteilten können Rechtsmittel einlegen. Ob aus dem US-Betrug noch weitere Münzen fehlen, teilte die Behörde nicht mit, und sie benannte auch das Anlagemodell nicht, aus dem das Silber stammt.
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