Cybersicherheit

Schadsoftware lässt vier KI-Modelle über den Angriff abstimmen

Veröffentlicht am 2 min readVon NewUJ Editorial Desk

Aktualisiert am neue Informationen ergänzt

Schadsoftware lässt vier KI-Modelle über den Angriff abstimmen
Foto: Travis Wise, Wikimedia Commons, CC BY 2.0
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Cisco Talos veröffentlichte am 22. September 2026 eine Analyse eines Windows-Implantats namens CLOSEDQUORUM und beschreibt es als "das erste gemeldete autonome KI-Command-and-Control-Implantat". Die 16,4 MB große 64-Bit-Datei, kompiliert in Go, wartet nicht auf Anweisungen eines Menschen. Nachdem sie auf einem Rechner gelandet ist, fragt sie bis zu vier kommerzielle KI-Dienste, was als Nächstes zu tun ist — und führt aus, was die Mehrheit sagt.

Die vier Anbieter sind laut dem Bericht des Talos-Forschers Ryan Fetterman DeepSeek, Qwen, Mistral und Google Gemini. Jeder wird nacheinander mit demselben strukturierten Prompt abgefragt, der Hostname, Betriebssystemversion, CPU-Anzahl und Administratorstatus des Rechners enthält. Die Modelle dürfen nicht frei antworten: Die Datei zwingt sie in ein typisiertes JSON-Schema mit vier möglichen Entscheidungen — stehlen, injizieren, persistieren oder bewegen. Der aus der Datei extrahierte System-Prompt lautet: "Du bist ein fortgeschrittener Schadsoftware-Stratege. Liefere AUSSCHLIESSLICH ausführbare Entscheidungen." Die Entscheidung mit den meisten Stimmen wird automatisch ausgeführt.

Die Dekompilierung von Talos zeigt, dass die Auflösung von Stimmengleichheit deterministisch ist und zuerst DeepSeek bevorzugt, danach Qwen, Mistral und Gemini. Verweigern alle Modelle, laufen sie in eine Zeitüberschreitung oder liefern fehlerhafte Ausgaben, fällt das Implantat auf eine Zeichenkette ohne zugehörige Funktion zurück — die Schleife schläft und versucht es erneut, statt einen Standardangriff zu wählen. Der Zyklus wiederholt sich in zufälligen Abständen von fünf bis 15 Minuten.

Ein Votum für "stehlen" startet drei Module gleichzeitig: einen LSASS-Speicherabzug für Windows-Zugangsdaten, gespeicherte Passwörter aus Chrome, Edge und Firefox sowie Wallet-Dateien von MetaMask, Exodus und Ethereum. Laut Talos wird die Beute mit AES-256-GCM und einem aus dem Tagesdatum abgeleiteten Schlüssel verschlüsselt, Base64-kodiert und in 1.900-Byte-Segmenten an einen Discord-Webhook des Operators geschickt.

Zwei Befunde stehen im selben Beitrag nebeneinander und dürfen nicht vermengt werden. Talos stellt ausdrücklich fest, keine Bestätigung für einen Einsatz in freier Wildbahn zu haben: In der öffentlich gefundenen Verteilungsversion sind alle API-Schlüssel auf dummy_api_key und der Webhook auf dummy_webhook_url gesetzt, diese Kopie ist also inaktiv. Getrennt davon schreibt Talos, Belege aus Entwicklungsversionen zeigten zur Kompilierzeit eingebettete Anbieter-Zugangsdaten, was Talos als ein pro Operator maßgeschneidertes Vertriebsmodell liest. Tech Times fasste diesen zweiten Punkt in seinem Bericht vom 23. September 2026 so zusammen, dass die Datei pro Operator kommerziell vertrieben werde. Talos ergänzt, Artefakte aus der Datei verbänden den Entwickler mit Forenbeiträgen zu Kreditkartenbetrug, die bis 2025 zurückreichen.

Talos wertet den Fund als Wegmarke wegen dessen, was es Effort Displacement nennt: KI hat Angreifer bislang vor allem schneller gemacht, hier wandert eine ganze Entscheidungsphase vom Menschen weg. Talos veröffentlichte die Analyse zusammen mit CAIRN, einem Open-Source-Werkzeug zur Verfolgung KI-integrierter Schadsoftware, und argumentiert, die Architektur schaffe auch Schwächen — Modellverweigerungen, Ratenbegrenzungen und die vorhersagbare Auflösung von Stimmengleichheit. Offen bleibt, ob je ein Operator eine funktionsfähige Version einsetzte und wie viele.

Quellen

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